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Googeln macht dümmer

Aktualisiert: 15. Jan.

Zu Desinformation und Fake News


Hobby-Fact-Checker werden durch Google Recherche nicht klüger - eher im Gegenteil.

Wie gut gemeinte Tipps zur Online-Recherche User zu noch mehr Fehlinformation führen - und wie man sich aus dieser Zwickmühle befreit.

 

„Recherchier das mal”, „Denk‘ drüber nach”, „Verlass dich nicht auf die Medien” - solche und ähnliche Aufforderungen sind gut gemeinter Rat, der nicht immer gut ist. Was nach Tipps für verantwortungsvollen Umgang mit Information klingt, ist vor allem unter Querdenkern, Querulanten und Fake-News-Verbreitern beliebt - „do the research” ist ein Mantra der QAnon-Veschwörungstheoretiker. Warum empfehlen jene, die selbst fragwürdige Information verbreiten, dass Leser diese Information über Online-Recherche selbst überprüfen sollen?

 

User lassen sich durch eigene Recherche verunsichern

Die Antwort ist einfach: Suchmaschinen sind schlechte Ratgeber. Leser, die nach mehr Information zu vermeintlichen Falschinformationen suchen, finden in der Regel noch mehr Falschinformationen. Im renommierten Wissenschaftsmagazin „Nature” veröffentlichte Studien haben dieses Phänomen unter die Lupe genommen.


Das Ergebnis: Wahre Information wird durch Online-Recherche nicht wahrer. Wer sie für richtig hält, hält sie weiterhin für richtig, wer sie für falsch hält, wird durch Googeln selten eines Besseren belehrt.


Bei falschen Informationen ist das Bild allerdings deutlich anders. Wer eine falsche Information richtigerweise für falsch hält, läuft Gefahr, durch Online-Recherche noch mehr falsche Information zu finden und sich von etwas Falschem überzeugen zu lassen. Rund 20 Prozent der User, die im Rahmen der Studien Fake News zu Recht als falsch erkannt hatten, waren nach der Online-Recherche anderer Meinung.


Recherchieren will gelernt sein

Wie vermeidet man diese Google-Falle? Die Studienautoren haben besonders ineffiziente Suchstrategien identifiziert, die es zu vermeiden gilt. Wer Information selbst überprüfen will, sollte keinesfalls den Titel der zu überprüfenden Nachricht als Suchbegriff verwenden oder andere Bestandteile aus der Nachricht kopieren und in Suchmaschinen eingeben. Solche Suchvorgänge führen oft zu noch mehr falscher Information. Genau das machten aber vor allem die digital weniger versierten Teilnehmer der Studie.


Es bringt auch wenig, im Zweifel erst mal abzuwarten und später zu recherchieren. Im Lauf der Zeit gibt es zwar immer mehr kritische Informationen von Fact-Checkern, die werden aber von Usern, die schlechte Suchstrategien einsetzen, gar nicht gefunden. Und die falschen Informationen verbreiten sich auch immer weiter und führen zu mehr und mehr irreführenden Suchtreffern. Wer Nachrichten kritisch hinterfragen möchte, sollte die gesuchte Information mit eigenen Worten zusammenfassen und sich damit auf die Suche machen - das führt zu deutlich verlässlicheren Ergebnissen.


Männer teilen Fehlinformation, Frauen lassen sich täuschen

Zu ähnlichen Ergebnissen kamen Forscher der TU Dresden, die ihre Ergebnisse ebenfalls vor Kurzem in „Nature” veröffentlichten. Die wichtigsten Erkenntnisse: User überschätzen ihre Fähigkeiten, richtige und falsche Information zu unterscheiden, Männer teilen mehr falsche Informationen, Frauen lassen sich öfter von falscher Information täuschen.


Beim Verteilen von Falschinformationen tun sich vor allem junge Männer mit politisch rechter Einstellung hervor, allerdings passiert ihnen das meist unabsichtlich. Männer teilen generell mehr Nachrichteninformation als Frauen, im Alter werden sie dabei zurückhaltender - und besser darin, wahre und falsche Information zu unterscheiden.


Große Medien werden, den Ergebnissen beider Studien zufolge, besonders häufig zu Unrecht als Quelle von Fehlinformationen eingeschätzt. Und wenig überraschend: Weniger interessierte und weniger digital versierte User sind sowohl beim Erkennen von Falschinformationen als auch beim Überprüfen dieser im Nachteil.


Empfehlungen

Aus diesen Erkenntnissen leiten die Autoren beider Studien einige Empfehlungen für Digitalkompetenz-Trainings ab.

  • Suchen alleine ist keine ausreichende Strategie, um fragwürdige Informationen zu überprüfen.

  • User sollten lernen, mehrere und verschiedene Suchbegriffe zu verwenden.

  • Die bloße Empfehlung, selbst zu googeln, macht in Wahrheit das Geschäft der Verschwörungstheoretiker. Sie erhöht die Wahrscheinlichkeit, Falschinformationen zu verbreiten und zu verankern.

  • Der Wert von Medien, die geprüfte Informationen veröffentlichen, sollte bei Digitalkompetenz-Trainings klarer vermittelt werden.


(Info aus einem österreichischen Tagesmedium)

 

Anmerkungen und Zusammenfassung meinerseits:

  • QAnon nennt sich eine Gruppe, die seit 2017 von den USA aus Verschwörungstheorien mit rechtsextremem Hintergrund im Internet verbreitet. Als Initiator gilt eine Person mit dem Pseudonym Q.

  • Der Duden definiert Fake News als in den Medien und im Internet in manipulativer Absicht verbreitete Falschmeldungen.

  • Basis: Vom Wissenschaftsmagazin „Nature” und von Forschern der TU Dresden veröffentlichte Studien.

  • Suchmaschinen sind schlechte Ratgeber.

  • Keinesfalls den Titel der zu überprüfenden Nachricht als Suchbegriff verwenden oder andere Bestandteile aus der Nachricht kopieren und eingeben.

  • Mehrere und verschiedene Suchbegriffe verwenden.

  • Die gesuchte Information mit eigenen Worten zusammenfassen führt zu verlässlichen Ergebnissen.

  • Die Empfehlung, selbst zu googeln, deutet auf den Versuch hin Falschinformationen verbreiten und verankern zu wollen.

  • Falschmeldungen zu suchen bewirkt meist, mehr Falschinformationen zu finden

  • Große Medien werden zu Unrecht als Quelle von Fehlinformationen eingeschätzt



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